Unternehmerforum in Leutesheim
Unternehmerforum bei Jaco in Leutesheim: Energiewende als Wirtschaftsfaktor
Wie können Unternehmen angesichts knapper Netzkapazitäten und unsicherer Stromversorgung ihre Zukunft sichern? Diese zentrale Frage der deutschen Wirtschaft stand im Mittelpunkt des Unternehmerforums, zu dem Oberbürgermeister Wolfram Britz und Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp am Freitag, 8. Mai, rund 50 Teilnehmende aus 35 Unternehmen begrüßten. Eine mögliche Antwort liefert das Photovoltaik-Kraftwerk auf den Dach- und Freiflächen des Gastgebers Jaco in Leutesheim, das dem Unternehmen zuverlässig saubere Energie liefert.
Oberbürgermeister Wolfram Britz eröffnete die Veranstaltung mit klaren Worten: „Wer heute in die Stromlandschaft schaut, sieht die Folgen von 20 Jahren Fehlentscheidungen.“ Der schrittweise Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft, kombiniert mit mangelnden Investitionen in die Netzinfrastruktur, habe Deutschland in eine energetische Sackgasse manövriert. Dies erschwere Ansiedlungen und Erweiterungen von Unternehmen. „Was passiert mit der Industrie in Baden-Württemberg und im Ortenaukreis, wenn wir nicht mehr in dem Maße mit Strom versorgt werden können, wie wir ihn brauchen?“, fragte der Rathauschef in den Raum. Zwar lieferten Photovoltaik und Windkraft sauberen Strom, doch ohne ausreichende Netze und Speicherkapazitäten bleibe die Versorgung unsicher.
Dass diese Herausforderungen durch kluge Investitionen gemildert werden können, zeigt der Gastgeber Jaco. Das Unternehmen, das in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, produziert vor allem Kunststoff-Brausetablettenröhrchen – teilweise bedruckt, teilweise mit IML-Technologie veredelt. Mit seinen Produktionsprozessen im Dreischichtbetrieb ist Jaco ein echter Energiefresser. Bereits 2013 investierte Jaco daher in eine Photovoltaikanlage auf dem Firmendach und erweiterte diese kürzlich um eine Freiflächen-PV-Anlage mit einer Gesamtleistung von 1350 kWp. 75 Prozent des selbst erzeugten Stroms fließen direkt in die Produktion.
Doch was geschieht mit überschüssiger Energie, die an sonnigen Tagen produziert, aber nicht sofort verbraucht wird? Jeweils ein Vertreter der beiden Unternehmen, die die Anlage bei Jaco realisiert haben, stellten Lösungen vor: Überschüssiger PV-Strom wird in einem Batteriespeicher zwischengespeichert und kann bei Bedarf, etwa nachts, wieder abgegeben werden. Ein Energiemanagementsystem (EMS) erfasst in Echtzeit Stromproduktion und -verbrauch und steuert die Geräte so, dass möglichst viel selbst erzeugter Solarstrom genutzt wird. Durch gezieltes Laden und Entladen wird zudem der Stromeinkauf optimiert und Lastspitzen werden reduziert. Bei dynamischen Stromtarifen ermöglicht die sogenannte Arbitrage, den Batteriespeicher dann aus dem Netz zu laden, wenn der Börsenstrom günstig ist, und ihn bei hohen Preisen zu entladen. Die Vorteile eines derartigen Photovoltaik-Kraftwerks liegen auf der Hand: Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Autarkie und Effizienz. Doch die bestehenden Hürden sind nicht zu unterschätzen. Der Referent verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe Zahl der Netzbetreiber in Deutschland. Allein in Baden-Württemberg sind es 110, jeder mit eigenen Tarifen und Anforderungen. Zudem müssen mit Behörden baurechtliche Fragen und mit Versicherern Brandschutz und Haftungsfragen geklärt werden. Immerhin: Freiflächenanlagen benötigen in Baden-Württemberg keine Baugenehmigung mehr.
Die Botschaft des Unternehmerforums war eindeutig: Photovoltaik in Kombination mit Energiespeichern und EMS sind nicht nur unverzichtbare Bausteine der Energiewende. Unternehmen wie Jaco beweisen, dass Investitionen in CO₂-neutrale Energieerzeugung und Unabhängigkeit nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Sie machen unabhängig von fossilen Energieträgern, globalen Krisen und Netzbetreibern – und damit zukunftsfähig.
